Genossenschaften

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Genossenschaften sind eigentlich ein alter Hut - in Deutschland gibt es sie seit ca. 150 Jahren. Aber gerade in der heutigen Zeit werden sie wieder aktueller denn je. Mit ihrer Hilfe können Bürger, Selbständige, Handwerker oder Freiberufler wirtschaftliche, soziale oder gesellschaftliche Ziele erreichen.

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Was ist eine Genossenschaft?

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Eine Genossenschaft ist ein Zusammenschluss natürlicher oder juristischer Personen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Darin ähnelt sie einem Verein. Allerdings hat eine Genossenschaft immer ein wirtschaftliches Interesse. Sie hat eine Satzung, in der ihre Ziele und die Rechte und Pflichten der Mitglieder festgelegt sind. In Deutschland gibt es fast nur eingetragene Genossenschaften, abgekürzt e.G. oder eG. Eingetragen wird die Genossenschaft im Genossenschaftsregister des Amtsgerichts. Der Bestand der Genossenschaft ist unabhängig davon, ob neue Mitglieder beitreten oder alte die Gemeinschaft verlassen. Handelsrechtlich ist die Genossenschaft eine juristische Person und gilt als Kaufmann. Die Haftung der Mitglieder für die wirtschaftlichen Aktivitäten der Genossenschaft kann in der Satzung begrenzt werden. Das heißt, es besteht im Falle wirtschaftlicher Schwierigkeiten dann keine Nachschusspflicht für die Mitglieder der Genossenschaft. Genossenschaften haben einen Vorstand, einen Aufsichtsrat und eine Generalversammlung. Darin ähneln sie Aktiengesellschaften. Allerdings ist das Stimmrecht bei der Genossenschaft nicht von der Höhe der Beteiligung abhängig. Jedes Mitglied hat eine Stimme. Bei Genossenschaften mit weniger als 20 Mitgliedern kann der Vorstand aus nur einer Person bestehen und es muss auch kein Aufsichtsrat vorhanden sein. Bei größeren Genossenschaften besteht der Vorstand aus mindestens zwei, der Aufsichtsrat aus mindestens drei Personen. Genossenschaften müssen Mitglied in einem Prüfverband sein. Dieser Prüfverband dient der Kontrolle und Aufsicht über die Genossenschaft. Es gibt zahlreiche Prüfverbände, die zum Teil auf bestimmte Geschäftstätigkeiten oder regional spezialisiert sind. Sie sind im Dachverband, dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V. zusammengeschlossen. In Deutschland wird die wirtschaftliche Tätigkeit der Genossenschaften durch das Genossenschaftsgesetz von 1889 geregelt. Man unterscheidet Konsum-, Produktions-, Absatz-, Dienstleistungs-, Wohnungsbau- und Bankgenossenschaften.

Die Genossenschaft ist eine auch international bekannte Rechtsform. Seit 2006 kann in der Europäischen Union auch eine Europäische Genossenschaft gegründet werden. Sie trägt die Bezeichnung SCE. Der weltweite Zusammenschluss der Genossenschaften ist eine unabhängige, nichtstaatliche Organisation, die International Co-operative Alliance (ICA). Sie wurde 1895 gegründet und vertritt heute Organisationen aus 88 Ländern. 1995 hat die ICA die Grundsätze des internationalen genossenschaftlichen Handelns so festgelegt:

• Offene und freiwillige Mitgliedschaft
• Demokratische Kontrolle durch die Mitglieder
• Vorsorge für die Gemeinschaft
• Ökonomische Partizipation der Mitglieder
• Unabhängigkeit und Autonomie
• Kooperation mit anderen Genossenschaften
• Information, Aus- und Fortbildung


Bedeutung und Prinzip der Genossenschaft

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Es gibt in Deutschland ca. 7.600 Genossenschaften mit ungefähr 20 Millionen Mitgliedern. Ungefähr 1.300 dieser Genossenschaften wurden in den letzten acht Jahren gegründet. Die Genossenschaft ist offensichtlich eine Rechtsform, die gut zu der heutigen Zeit passt. Auffällig ist auch, dass es bei Genossenschaften sehr wenige Insolvenzen gibt. Es gibt sowohl sehr kleine, meist regionale als auch sehr große, international agierende Genossenschaften. Beispiele für große Vertreter dieser Rechtsform sind die Raiffeisenkassen oder das Schweizer Handelunternehmen COOP. Man findet viele Genossenschaften im Bereich der Landwirtschaft, des Wohnungsbaus und der alternativen Energien.

Die Grundprinzipien der Genossenschaft sind Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. Durch den Zusammenschluss sollen die Belange aller Mitglieder gefördert werden. Das Vermögen der Genossenschaft gehört allen Mitgliedern und wird demokratisch verwaltet. Neue Mitglieder können jederzeit aufgenommen werden und alte die Gemeinschaft verlassen. Jedes Mitglied beteiligt sich finanziell an der Genossenschaft. Bei seinem Ausscheiden wird der Genossenschaftsanteil wieder ausgezahlt. So kann das Vermögen der Genossenschaft schwanken, je nachdem ob Mitglieder austreten oder neue aufgenommen werden.


 Vorteile einer Genossenschaft

Die Genossenschaft ist aus Selbsthilfevereinen entstanden. Durch den Zusammenschluss mehrerer Personen können Ziele erreicht werden, die für den Einzelnen nicht realisierbar sind. Für Firmen, Freiberufler und Selbstständige hat diese Rechtsform den zusätzlichen Vorteil, dass in bestimmten Bereichen gemeinsam agiert werden kann, ohne die Selbständigkeit aufzugeben. Zusätzlich kann durch die Satzung der Genossenschaft die Haftung der Mitglieder beschränkt werden. In der Landwirtschaft sind beispielsweise Vertriebsgenossenschaften sehr beliebt. In ihnen schließen sich Landwirte zusammen, um ihre Produkte gemeinsam zu bewerben und zu vertreiben. Die ersten Genossenschaften waren Kreditgenossenschaften, die ärmeren Bevölkerungsschichten den Zugang zu Krediten ermöglichten. Heute finden sich Genossenschaften oft im Bereich der erneuerbaren Energien. Hier schließen sich Firmen und Bürger regional zusammen, um selber Strom und Wärme aus regenerativen Quellen zu erzeugen. Auch Baugenossenschaften, die alternative Wohnformen im Rahmen genossenschaftlichen Wohnens fördern, sind heute aktuell. Genossenschaftliche Werte sind heute wieder aktuell, da immer mehr Menschen das rein kommerzielle Gewinnstreben ablehnen.


Wie wird eine Genossenschaft gegründet?

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Für eine Genossenschaft nach deutschem Recht sind mindestens 3 natürliche oder juristische Personen erforderlich. Im Gegensatz zur GmbH oder AG ist kein Mindestkapital für die Gründung vorgeschrieben. Es muss eine Satzung verabschiedet, die Genossenschaft im Genossenschaftsregister eingetragen und ein Vorstand gewählt werden. Hat sie bei ihrer Gründung mehr als 20 Mitglieder, muss auch ein Aufsichtsrat gewählt werden. Außerdem muss sie sich einem der Prüfverbände anschließen.

Für die Gründung einer Europäischen Genossenschaft gelten andere Regeln. Hier sind mindestens fünf natürliche oder juristische Personen erforderlich, die in mindestens zwei Mitgliedsstaaten der Europäischen Union beheimatet sein müssen. Sie kann auch durch die Verschmelzung mehrerer schon existierender Genossenschaften aus verschiedenen Ländern der Union gebildet werden. Eine in einem Mitgliedsland bereits existierende Genossenschaft kann in eine Europäische umgewandelt werden, wenn sie seit mindestens zwei Jahren eine Zweigstelle in einem anderen Mitgliedsland hat. Außerdem wird ein Gründungskapital von mindestens 30.000 € benötigt.


Der Sonderfall der Berufsgenossenschaft

Die Berufsgenossenschaft ist ein Sonderfall, weil die Mitgliedschaft in ihr nicht freiwillig ist. Außerdem unterliegt sie der Aufsicht durch das Bundesversicherungsamt und das Ministerium für Arbeit und Soziales. In der Berufsgenossenschaft sind alle Gewerbebetriebe und in der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft die Landwirtschaftsbetriebe Zwangsmitglieder. Die Berufsgenossenschaften sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und finanzieren sich hauptsächlich aus den Beiträgen der Mitgliedsfirmen. Die Berufsgenossenschaften sind nach Wirtschaftszweigen, die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften regional gegliedert. Sie sind für die Unfallverhütung im beruflichen Umfeld zuständig und erlassen entsprechende Unfallverhütungsvorschriften. Ebenso sind sie für die medizinische Behandlung und Rehabilitation nach Berufsunfällen verantwortlich. Auch die Zahlung eines Verletztengeldes (entspricht dem Krankengeld) oder einer Berufsunfähigkeitsrente fällt in ihren Zuständigkeitsbereich.

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